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SNB Kommentar zur Kreditkrise - «Zu wenig gesunder Menschenverstand»


Laut Thomas Jordan, Direktoriumsmitglied der Schweizerischen Nationalbank, bringt die Kreditkrise unerwartete Entwicklungen – und ist auf «erstaunliche» Fehlinvestitionen zurückzuführen.

Die Überraschung, so Thomas Jordan, seien nicht die Verluste auf den Subprime-Anlagen, sondern die massive Beeinträchtigung der internationalen Geldmärkte. «Der Ablauf der Kreditkrise ist ein Ereignis, das sich vor deren Ausbruch niemand in dieser Ausprägung vorgestellt hatte», sagte er in einem Referat an der Universität Freiburg im Breisgau, «noch immer ist es schwierig abzuschätzen, wie sich die Ereignisse genau auf die Gesamtwirtschaft auswirken werden.»

«Erstaunliche» Fehlinvestitionen

Die umfangreichen Fehlinvestitionen über einen derart langen Zeitraum, trotz einer nur wenige Jahre zurückliegenden spekulativen Aktienblase, seien «erstaunlich», so Jordan: «Viele Marktteilnehmer haben zu stark ihren statistischen Modellen vertraut und zu wenig gesunden Menschenverstand walten lassen», kritisierte er.

Zur Krise beigetragen hätten auch die modernen Finanzmarktinstrumente die es erschwerten, sich ein genaues Bild über die Verteilung bestimmter Risiken zu machen: Die Verunsicherung über die betroffenen Wertpapiere und Parteien habe zu einem generellen Versiegen der Liquidität geführt.
Den schlimmsten Fall abwenden

Geldpolitik solle im Normalfall mit einer ruhigen Hand geführt werden, sagte Jordan; Unsicherheit könne aber Situationen schaffen, in denen von diesem Prinzip abgewichen werden sollte. Um ein «Worst case-Szenario» wegen der Kreditkrise abzuwenden, hatten die Zentralbanken weltweit grosse Mengen an Liquidität bereitgestellt.

Die Unsicherheit habe sich wegen des raschen Wandels der Wirtschaft und der hohen Komplexität vieler Märkte generell erhöht, sagte Jordan weiter. Für geldpolitische Entscheidungsträger bedeute dies, dass sie sich nach möglichst breiter Analyse auch auf ihren gesunden Menschenverstand und ihre Intuition verlassen müssten.

ms: das konnte natürlich niemand voraussehen, erstaunlich nur, dass ich am 27.2.2004, also vor beinahe 4 Jahren folgenden Artikel auf diesem Blog veröffentlichte.

zum Artikel

aber wer nicht hören will, muss offensichtlich fühlen..


 

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Goldman Sachs trotzt Kreditkrise


Die weltweit grösste Investmentbank Goldman Sachs hat die Kreditkrise deutlich besser gemeistert als ihre Wettbewerber. Sie schliesst das Jahr mit einem Rekordgewinn ab.

Die Bank steigerte den Jahresgewinn um 22 Prozent auf die Rekordhöhe von 11,6 Milliarden Dollar, teilte Goldman Sachs in New York mit. Im vierten Quartal (per Ende November ) verdiente das Finanzinstitut mit 3,22 Milliarden Dollar rund 2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Einnahmen legten um 14 Prozent auf 10,74 Milliarden Dollar zu. Goldman Sachs übertraf damit die Erwartungen der Analysten.

Die Investmentbank hat damit die Kreditkrise deutlich besser gemeistert als ihre Wettbewerber. Sie setzte frühzeitig auf den Einbruch der Hypothekenmärkte und machte durch diese Strategie ihre Kreditausfälle mehr als wett.

ms: bleibt noch zu erwähnen, dass obige Bank die SIVs konstruiert und verkauft hat, bevor diese Papiere an Wert verloren...
Es werden demnächst Prozesse wegen Betrugs eingeleitet werden, damit die seinerzeitigen Käufer ihren Kaufpreis wieder zurückerhalten werden....

 

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US-Behörden haben Kreditkrise verschlafen


Von Hasnain Kazim

Hätten US-Behörden die weltweite Finanzkrise verhindern können? Laut "Wall Street Journal" gab es bereits vor zwei Jahren Ermittlungen wegen fragwürdiger Kredit-Wertpapiergeschäfte - doch dann stellte die Börsenaufsicht die Untersuchungen wieder ein.

Hamburg - So gut wie jede Bank ist betroffen: Die Auswirkungen der Kreditkrise in den USA nehmen ein immer größeres Ausmaß an. Längst ist daraus eine internationale Finanzkrise geworden. Heute bestätigte die Schweizer Großbank UBS Spekulationen, dass sie insgesamt rund 6,8 Milliarden Euro abschreiben muss (mehr...). Zuvor hatten schon andere Banken in aller Welt - allen voran US-amerikanische Institute - Verluste und Abschreibungen teils in Milliardenhöhe eingeräumt.

Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge hätten sich die Banken diese Krise ersparen können. In den USA haperte es schon im Vorfeld der Krise bei Ermittlungen: Die Zeitung schreibt, dass US-Behörden eine "mögliche Chance zur Warnung vor den Risiken" der Kreditkrise verpassten. Die US-Börsenaufsicht SEC und die New Yorker Generalstaatsanwaltschaft hätten im Jahr 2005 fragwürdige Kredit-Wertpapiergeschäfte der Investmentbank Bear Stearns untersucht, die Ermittlungen aber ohne Nennung von Gründen wieder beendet.

In den getrennten Untersuchungen überprüften SEC und Staatsanwälte, ob Bear Stearns Investoren durch unangemessene Bewertung von Wertpapieren auf der Basis von Hypothekendarlehen geschädigt hatte. Doch da sie die Untersuchungen nicht fortführten, wurden die Vorzeichen der Krise nicht rechtzeitig erkannt. Allein Bear Stearns musste in Folge der Krise milliardenschwere Abschreibungen wegen der Geschäfte mit zweitklassigen Darlehen vornehmen.

Die Unternehmensberatung McKinsey erwartet nun noch weitere unangenehme Überraschungen in den Bilanzen der Banken. "Das wahre Ausmaß wird sich vielleicht erst mit Vorlage der Bilanzen für 2007 offenbaren", sagte McKinsey-Deutschland-Chef Frank Mattern dem "Handelsblatt". "Nach wie vor besteht die Gefahr, dass Fonds und Banken in größerem Umfang Notverkäufe von Wertpapieren vornehmen müssen, um sich refinanzieren zu können."

Abschreibungen in Folge der Kreditkrise
Kreditinstitut/Unternehmen Abschreibung in Euro
UBS 6,8 Milliarden
Merrill Lynch 5,7 Milliarden
Citigroup 4,4 Milliarden
Deutsche Bank 2,2 Milliarden
JP Morgan Chase 1,1 Milliarden
Goldman Sachs 1,0 Milliarden
Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) 800 Millionen
Swiss Re 734 Millionen
Morgan Stanley 639 Millionen
Dresdner Bank 575 Millionen
WestLB 355 Millionen
SachsenLB 351 Millionen
Commerzbank 291 Millionen
Postbank 61 Millionen

Quelle: Unternehmensangaben/"Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen"

Die Krise hatte im Sommer begonnen, als massive Ausfälle bei US-Immobilienkrediten bekannt wurden; viele finanzschwache Kreditnehmer konnten ihre Schulden nicht mehr bezahlen. Die Risiken dieser Kredite wurden über Wertpapiere an Banken und Versicherungen in der ganzen Welt verstreut - die Kreditkrise wuchs zum Problem für die internationalen Finanzmärkte heran. Später wurden auch Schwierigkeiten bei Kreditkartenschulden, bei Autofinanzierungen und Studentenkrediten bekannt - US-Banken hatten in allen Bereichen leichtfertig Geld verliehen.

Der Chef der weltgrößten Bank Citigroup, Charles Prince, musste nach Bekanntwerden von Abschreibungen in Milliardenhöhe seinen Posten räumen, ebenso der Chef der Investmentbank Merrill Lynch, Stan O'Neal.

In Deutschland gerieten die Mittelstandsbank IKB und die SachsenLB in Existenznot, die SachenLB wurde mit staatlicher Hilfe gerettet; einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge ist hier aber das Verlustrisiko größer als bislang befürchtet. In Großbritannien kämpft die Bank Northern Rock ums Überleben. Und täglich kommen neue Schreckensmeldungen hinzu.

Wie groß das Ausmaß der Kreditkrise tatsächlich ist, bleibt unklar. Banker sind sich selbst nicht einig darüber: Josef Ackermann, Vorstandschef der Deutschen Bank, erklärte im November, die Finanzmarktkrise sei keineswegs ausgestanden. "Rein psychologisch ist das die schlimmste Krise, die ich in meinen 30 Jahren als Banker erlebt habe." Deutsche-Bank-Vorstandsmitglied Hermann-Josef Lamberti sagte dagegen kurze Zeit später, man habe die Krise "im Griff", sie sei "keine Bedrohung für die Weltwirtschaft".

Mitte November sagte die selbst von der Krise betroffene Investmentbank Goldman Sachs Abschreibungen von insgesamt 48 Milliarden Dollar voraus (mehr...). Aus heutiger Sicht, nur wenige Wochen später, dürfte die Summe weit höher liegen.

SUBPRIME

Als Subprime werden Schuldner mit niedriger Bonität bezeichnet, arme Menschen, die sich den Kredit, den sie aufnehmen, eigentlich nicht leisten können. Dieser Sektor des Kreditmarktes entwickelte sich seit Anfang Juni 2003 in den USA, nachdem der damalige US- Notenbank- Chef Alan Greenspan den Leitzins auf ein Prozent abgesenkt hatte. Dadurch nahmen plötzlich viele Menschen Kredite für Hypotheken auf - ohne zu bedenken, dass sie diese später, bei höheren Zinsen, wieder zurückzahlen müssten. Der Markt boomt: Allein in den vergangenen zwei Jahren sollen US- Finanzdienstleister 3200 Milliarden Dollar an Hypothekendarlehen ausgegeben haben - rund 20 Prozent an Kunden geringer Bonität.
"Sicher werden Banken versuchen, ihre Verluste mit Gewinnen in anderen Bereichen gegenzurechnen", sagt ein Banker, der namentlich nicht genannt werden will. "Es dürfte deshalb schwierig werden, das wahre Ausmaß der Krise zu erfassen. Die Bilanzierung lässt ein gewisses Maß an Kreativität zu und man kann sicher sein, dass das genutzt wird." Dass die Bilanzen von 2007 das wahre Ausmaß offen legten, wie McKinsey-Manager Mattern es prognostiziert, hält er für "eher unrealistisch".

Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) in Düsseldorf legte heute, rechtzeitig vor der Bilanzprüfung 2007, ein "Positionspapier" vor, an das sich Prüfer bei der Bewertung von betroffenen Unternehmen halten können. "Ziel ist es, ein möglichst einheitliches Vorgehen zu ermöglichen", sagt IDW-Vorstandssprecher Klaus-Peter Feld. Analysten halten das jedoch wegen der Verschiedenartigkeit der Wertpapiere, über die die Kreditrisiken verbrieft wurden, für ein kaum erreichbares Ziel.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die häufig als "Bank der Notenbanken" bezeichnet wird, schrieb in ihrem heute veröffentlichten Quartalsbericht, die Stimmung an den Märkten sei seit Mitte Oktober wegen immer neuer Schreckensmeldungen deutlich schlechter geworden. Die anhaltenden "Unsicherheiten bezüglich der Risiken an Subprime- und anderen Kreditmärkten" verstärkten die Befürchtung, "die Krise am US-Markt für Wohnimmobilien würde sich noch vertiefen und letztlich zu einer Schwächung der gesamten Wirtschaft beitragen".

Mit Material von dpa und Reuters


 

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